Zum Buch:
An der Meerenge von Messina, es ist Mittag.
Die Kinder haben Heuschrecken und Schmetterlinge
getötet und ihre Reste um mich herum verstreut.
Ich atme schwer. Wer Zitronen trägt,
sagen sie hier, kann nicht sterben,
kann nicht müde werden. So pflücke ich
Zitronen …
Das Gedicht geht noch weiter, aber darauf kommt es jetzt nicht wirklich an.
Joachim Sartorius Texte, so unterschiedlich sie in ihrer Wucht oder Sanftheit auch sein mögen, scheinen, bereits wenn man sie das erste Mal liest, einem stillen Gesetz zu folgen, dem einfachen Gesetz einer unüberwindbaren Vergänglichkeit, die nur teilweise durch unser eigenes Tun und Handeln bestimmt ist.
Mal sind es die in Pappkartons eingelagerten Artefakte eines lange gelebten Lebens, mal ein demoliertes Haus, um aus dessen Balken ein Schiff zu formen, dann wieder der Gang durch eine griechische Ruinenstadt oder stille Nekropole, dann fehlen auch nicht die Wegbegleiter seines Schaffens, wie Brinkmann, Michaux oder die türkische Schriftstellerin Tezer Özlü, allesamt Lyriker, die, längst verstorben, die Adressaten seiner Reminiszenz sind.
Wenn Sartorius schreibt: „Das Gedicht umkreist ein Erinnerungshaus. Es schreitet alle Zimmer eines Gebäudes ab, das es nicht mehr gibt, bis hin zu dem Raum zur Aufbewahrung der Schatten. Dieser Raum ist das Herzstück eines Gedichtbuches“, dann ist Die bessere Nächte ein Paradebeispiel für diese Aussage.
Axel Vits, Köln