Detail

Drucken

Land

Autor
O’Farrell, Maggie

Land

Untertitel
Roman. Aus dem Englischen von Kathrin Razum und Nikolaus Hansen
Beschreibung

In dem Irland, von dem Tomás, der Landvermesser, in den 1860er und 1870er Jahren seine Landkarten anfertigt, sind die Spuren der Großen Hungersnot von 1842, von Eroberung und Fremdherrschaft deutlich zu erkennen. Maggie O’Farrell schildert eindrucksvoll, wie Eroberungen, Besitzverhältnisse und Katastrophen sich in das Land einschreiben, es verändern, es formen. Dazu zählt nicht nur der Einfluss der Englischen Krone, sondern auch die Rolle der katholischen Kirche bei der Missionierung der Insel.

O’Farrell gelingt mit Land das Kunststück, einen großen Spannungsbogen zu halten und gleichzeitig die kleinen Geschichten und Schicksalsschläge im Leben ihrer Charaktere voll und bewegend zu entfalten. So entsteht ein Portrait von Irland im 19. Jahrhundert.
»Eine herzzerreißende Geschichte über Resilienz und Liebe. ›Land‹ ist ganz einfach der beste Roman, den ich seit Jahren gelesen habe.« Louise Kennedy

(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
Piper, 2026
Seiten
576
Format
Gebunden
ISBN/EAN
978-3-492-07456-8
Preis
26,00 EUR
Status
lieferbar

Zur Autorin / Zum Autor:

Maggie O’Farrell, 1972 im nordirischen Coleraine geboren, zählt zu den wichtigsten irisch-britischen Autorinnen ihrer Generation. Nach Auszeichnungen mit dem Somerset Maugham Award und dem Costa Book Award gewann ihr hochgelobter Roman »Judith und Hamnet« den Women’s Prize for Fiction 2020, den National Book Critics Circle Award 2020 sowie den British Book Award 2021 für den besten Roman. Auch »Porträt einer Ehe« stand 2023 auf der Shortlist für den Women’s Prize for Fiction und war ein Sunday-Times-Bestseller.

Kathrin Razum, geboren 1964, studierte Anglistik und Geschichte in Heidelberg und Baton Rouge, Louisiana. Sie arbeitet seit 1993 als Übersetzerin, zu den von ihr übersetzten AutorInnen gehören Susan Sontag, Edna O’Brien, V.S. Naipaul, Hilary Mantel, Rebecca Solnit, Dorothy Baker, T.C. Boyle und Barry Unsworth. Sie lebt in Heidelberg.

Nikolaus Hansen, geboren 1951 in Hamburg, war viele Jahre Verleger von Rogner & Bernhard, Rowohlt, marebuchverlag und Arche/Atrium. Er ist Autor, Mitbegründer des Harbour Front Literaturfestivals in Hamburg und Übersetzer, u. a. von Joseph Conrad, Edward St Aubyn, Willy Vlautin, Kamila Shamsie, Lionel Shriver und Robbie Arnott.

Zum Buch:

An dem Tag, an dem Liam mit seinem Vater Tomás beim Vermessen der Halbinsel über eine Quelle stolpert, der seit Jahrtausenden besondere Eigenschaften zugesprochen werden, verändert sich sein Leben für immer. Der Vater trinkt daraus und entscheidet dann, scheinbar aus dem Nichts heraus, dass die gesamte Familie in der Nähe dieser Quelle leben wird. Gegen ihren Willen muss sich also die gesamte restliche Familie, Liams Mutter Phina, seine Schwestern Enda und Rose und der kleine Bruder Eugene, fernab von der Stadt, von anderen Kindern und allem, was sie kannten, ein neues Leben aufbauen. An einem Ort, an dem die gesellschaftlichen Umbrüche über die Jahrtausende ihre Spuren und Geister hinterlassen haben.

Tomás ist Landvermesser, ein sogenannter Kartograph, für die englischen Besatzer. Eine Arbeit, die ihn und seine Frau aus dem Armenhaus gerettet hat. Doch ihm wird zunehmend klar, dass diese Aufgabe auch dazu beiträgt, deren Form der Herrschaft zu festigen und zu legitimieren. Seine Kinder hingegen interessieren sich nur bedingt für diese Erkenntnis. Sie müssen sich einfügen in das Leben der Halbinsel, die Versorgung der Tiere. Enda, die älteste, verabscheut die Aufgaben, die ihr als junger Frau aufgetragen werden, das Kümmern, das Waschen und Kochen tagein, tagaus. Sie spielt lieber Geige und streift umher. Liam hatte sich nach einer schicksalhaften Begegnung mit dem Priester dazu entscheiden, selbst Priester zu werden und seine Familie hinter sich zu lassen. Rosa und Eugene, die Jüngsten, fügen sich am schnellsten in den neuen Lebensrhythmus ein. Doch nach und nach zerfällt das Familienglück, und die Kinder müssen als junge Erwachsene lernen, mit ihren eigenen Entscheidungen zu leben und die der Geschwister zu akzeptieren, auch dann, wenn es sie in entlegene Ecken der Erde verschlägt.

In dem Irland, von dem Tomás in den 1860er und 1870er Jahren seine Landkarten anfertigt, sind die Spuren der Großen Hungersnot von 1842, von Eroberung und Fremdherrschaft deutlich zu erkennen. Maggie O’Farrell schildert eindrucksvoll, wie Eroberungen, Besitzverhältnisse und Katastrophen sich in das Land einschreiben, es verändern, es formen. Dazu zählt nicht nur der Einfluss der Englischen Krone, sondern auch die Rolle der katholischen Kirche bei der Missionierung der Insel. Zugleich entziehen sich die Geschichten und Mythen des Landes auf geheimnisvolle Art diesem Zugriff durch die Obrigkeit und schaffen so teilweise Momente, in denen die Notwendigkeit des Widerstands aufscheint. Denn die Folgen von Fremdherrschaft prägen Land und Körper auf eine Weise, die erst nach und nach sichtbar wird.

Behutsam erzählt Maggie O’Farrell die Geschichte der Familie, die mit den Umbrüchen ihrer Zeit und den Geistern ihrer Vergangenheit konfrontiert ist. Land ist ein geheimnisvoller Roman bei der die Leserin oftmals nie so genau sicher sein kann, was auf der nächsten Seite passieren wird. Dabei bereiten die Vielschichtigkeit und die Bedingungen der Welt, die den Charakteren begegnet, gut nachvollziehbar die Wege, die sie letztlich wählen. O’Farrell gelingt mit Land das Kunststück, diesen großen Spannungsbogen zu halten und gleichzeitig die kleinen Geschichten und Schicksalsschläge im Leben ihrer Charaktere voll und bewegend zu entfalten. So entsteht ein Portrait von Irland, das ich so noch nicht gesehen habe.

Melissa Dutz, Frankfurt a.M.