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Autor
Darida, Muri

King Cobra

Untertitel
Roman
Beschreibung

Lazi sitzt im Zug nach Budapest und hat ein Ziel: Das Gewehr des Großvaters András, der während des Ungarnaufstands 1956 nach Argentinien fliehen wollte, aber in Eppingen landete. Im ungarischen Dorf erwarten Lazi unberechenbare Tanten, unzählige Schnäpse und die Großcousine Zsófi, die Lazi das Schießen beibringt. Nur Mónika, die Schwester der Mutter, versteht, was Lazis veränderter Körper zu bedeuten hat, nur sie ahnt den wahren Grund für Lazis Rückkehr: Rache üben, Gerechtigkeit finden.
Ob Lazi das Gewehr schließlich nutzen wird oder nicht, wird nicht zur Spannungskurve des Romans.

»Muri Darida erzählt in gewaltigen Bildern von dem, was sich uns eingeschrieben hat, macht daraus Atem, Leben, Befreiung – und entzündet ein Feuer, das die Sprache zum Glühen bringt.« Yael Inokai

(ausführliche Besprechung unten)

Verlag
dtv Verlagsgesellschaft, 2026
Format
Gebunden
Seiten
288 Seiten
ISBN/EAN
978-3-423-28518-6
Preis
24,00 EUR

Zur Autorin/Zum Autor:

Muri Darida (*1993) lebt zwischen Budapest und Berlin. Literarische Publikationen u.a. in BELLA triste, Edit, mosaik und Jenny. Zu politischen und gesellschaftlichen Themen publiziert Muri Darida regelmäßig u.a. auf ZEIT ONLINE, arte, taz und SZ. Mit einem Auszug aus ›King Cobra‹ war Darida für den Wortmeldungen Förderpreis 2022 nominiert und gewann den Publikumspreis des Open Mike 2024.

Zum Buch:

King Cobra erzählt von der Suche nach einem Gewehr. King Cobra erzählt auch von einer deutsch-ungarischen Familiengeschichte, von Transition, von Familie und Freundschaft und von der Lust, man selbst zu werden.

Das Buch beginnt in Wien, wo Lazi wohnt und arbeitet. Um das Gewehr des Großvaters zu finden, reist Lazi nach Ungarn, aufs Land, wo Lazis Tante, Onkel und Cousinen wohnen. Von dort will Lazi das Gewehr mit nach Deutschland nehmen – unklar bleibt zunächst, warum. In Ungarn trifft Lazi auf viel Schweigen und viel Schnaps, auf Unverständnis, aber auch auf wortlose Anerkennung – besonders bei Monika, der verstoßenen Tante und Schwester von Lazis Mutter, die Ärztin ist, Lazi als jungen Mann anredet und ohne mit der Wimper zu zucken Lazis Brustwarzen nach der Mastektomie wieder annäht, die abgefallen sind.

Ob Lazi das Gewehr schließlich nutzen wird oder nicht, wird nicht zur Spannungskurve des Romans. So stringent arbeitet der Text nicht auf ein Ende hin, vielmehr windet er sich – wie eine Schlange – um das Finden und Benutzen des Gewehrs herum und stellt dabei die Frage, wie Lazi zu der Person wurde, die ein Gewehr benutzen will. Lazis zunehmende Selbstfindung steht auch damit in Verbindung, wie sehr Lazi mit der eigenen Familie, mit den Freund*innen, mit sich selbst, mit dem Körper in Kontakt tritt, was wiederum immer näher an das Gewehr heranführt, das die phantasmagorische Identifikation mit der absoluten Handlungsfähigkeit bietet. Das Gewehr eröffnet den Möglichkeitsraum, sich zu rächen und damit für sich selbst einzustehen, selbst zu werden, statt passiv im Blick der Anderen zu leben, eine Selbstbestimmtheit zu finden, die sich in der eigenen Geschlechtlichkeit wiederfindet, genauso aber auch im Verhältnis zu den Mitmenschen, und der Ehrlichkeit darin. Diese Ehrlichkeit lernt Lazi sowohl im Umgang mit Lazis Queerness gegenüber unverständigen Verwandten als auch in Budapest, auf der Pride und im ersten Verliebtsein mit dem neuen Körpergefühl.

King Cobra verläuft nicht linear, immer wieder werden neue Situationen eingeschoben, wechselt die Zeitlichkeit und die Deutlichkeit der Sprache. Das Buch hat mich besonders darin beeindruckt, das Flirren des Textes durch seine Erzählform zusammenzuhalten.

Paula Blömers, autorenbuchhhandlung marx & co, Frankfurt a.M.